Elternmitteilungen März/Juli 2020

Liebe Eltern,

eigentlich bekommen Sie einen solchen Elternbrief immer im März, aber in diesem Jahr ist alles anders, nun also die Elternmitteilungen am Ende des Schuljahres!

Nachträglich möchte ich Ihnen unsere neuen Lehrkräfte vorstellen: Seit dem 1. Februar 2020 sind Frau Dr. Jana-Katharina Dressler (Biologie und Chemie), Frau Sina Hartmann (Musik und Deutsch), Frau Sirkka Lachmann (Französisch und Sport), Herr Henning Meer (Erdkunde und Deutsch) und unsere neue Referendarin Frau Franziska Kuhn (Mathematik und Biologie) bei uns.

In meinem Entwurf vom März sollte es nun weiter gehen mit der Planung der Projektwoche, Hinweisen zur Berufsorientierung und anderen mehr oder minder alltäglichen schulischen Fragen. Aber es kam alles anders – zunächst wurden die Schulen in (aus meiner Sicht atemberaubendem Tempo) dicht gemacht –  am Freitag, dem 13. März kam die Nachricht. Bis jetzt ist es ja so, dass es immer wieder neue Forschungsergebnisse über das Corona-Virus gibt, die Auswirkungen auf unser Alltagsleben haben. So war es auch im März: In relativ kurzer Zeit wurde deutlich, dass das Corona-Virus auch für uns eine Bedrohung darstellt und dass Schulen ein möglicher „Hotspot“ für die Verbreitung sein könnten. Tatsächlich ist an jenem Freitag erst gegen Mittag auf der Basis einer neuen wissenschaftlichen Studie die Entscheidung für die Schulschließungen gefallen. Dass Wissenschaft einen solchen Einfluss auf das alltägliche Leben hat, hätte ich mir nicht vorstellen können, aber jetzt bin ich ehrlich gesagt sehr froh darüber.
In der ersten Phase der Corona-Zeit bis zu den Osterferien war unsere Vorgabe, den Schülerinnen und Schülern Lernangebote zu machen. Dass in dieser Phase Schulen verlautbaren ließen, sie hätten auf „digitalen Unterricht“ umgestellt, also eine Umsetzung des normalen schulischen Lernens in digitale Sphären, hat Erwartungen geschürt, die nicht hilfreich waren. Wir hatten zwar gute Ausgangsvoraussetzungen, weil IServ mit den verschiedenen Modulen bei uns seit einigen Jahren gut eingeführt ist, aber mit diesem grundsätzlichen Systemwechsel gab es logischerweise keine Erfahrungen. Es kam hinzu, dass die kultusministerielle Vorgabe der „Lernangebote“ unterschiedlich interpretiert wurde – und dass die Zeit emotional sehr belastend war: Letzten Endes war unser aller Alltag auf den Kopf gestellt, vertraute Routinen funktionierten nicht mehr, die Unsicherheit, wer wann in welcher Form infiziert werden könnte und vor allem, was dann passieren würde, belastete alle Menschen sehr. Es kam hinzu, dass der Kontakt zu älteren Familienmitgliedern plötzlich nicht mehr möglich war, dass einige Eltern beruflich extrem gefordert wurden, während für andere Kurzarbeit und wirtschaftliche Sorgen in den Vordergrund traten.
Für uns als Schule ging es erst einmal darum, die Zeit bis zu den Osterferien zu überbrücken und zugleich die Notbetreuung zu organisieren, die von unseren Lehrkräften auch die Ferien über ehrenamtlich übernommen wurde.
Für die Zeit nach den Osterferien hatten wir dann klare und hilfreiche Vorgaben aus dem Ministerium, die wir in verschiedenen schulorganisatorischen Regelungen für das häusliche Lernen umgesetzt haben. Dabei haben wir im Aufgabenmodul von IServ die Schulstunden des jeweiligen Tages in der Aufgabenstruktur abgebildet. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutete dies, dass sie sich die Aufgaben irgendwann herunterladen und ihre eigenen Ergebnisse zum vorgegebenen Zeitpunkt hochladen mussten. Dass mit diesem Verfahren einige besser zurechtkamen, andere schlechter, kann nicht wirklich überraschen, die Menschen sind eben unterschiedlich. Unterm Strich habe ich aber von sehr vielen Lehrkräften gehört, dass sie sehr positiv überrascht waren, wie gut in dieser Zeit gearbeitet wurden, welche tollen Ergebnisse zustande kamen! Da gab es die „stillen Könner“, die sich im Unterricht nicht beteiligen mögen, aber ausgezeichnete schriftliche Beiträge vorlegten! Und es gab die, die den Freiraum der Aufgabenstellungen nutzten, um sich mit eigenem Interesse und dank der freieren Zeiteinteilung mit den sie interessierenden Fragen intensiver auseinanderzusetzen. Eine wichtige Rolle spielten auch die täglichen Sprechstunden der Lehrkräfte, denn im regulären Unterricht gibt es die Gelegenheit, dass ein Schüler / eine Schülerin eine Lehrkraft mal „ganz für sich“ hat, nicht so häufig – und die Erfahrung, eine individuelle Unterstützung von einer Lehrkraft manchmal sogar per Videokonferenz aus dem häuslichen Arbeitszimmer zu bekommen, war ja auch wirklich besonders!
Anderen Jugendlichen ist es wiederum schwer gefallen, sich ohne den äußeren Rahmen von Schule an die Aufgaben zu setzen. Dabei ging es nicht nur darum, dass die zeitliche Struktur selber entwickelt wurden musste, sondern es fehlt die persönliche Ebene: Die Mitschülerinnen und Mitschüler lenken zwar manchmal ab, sie sind aber auch motivierend und zwar nicht nur dann, wenn man sich gegenseitig anfeuert, sondern einfach auch dadurch, dass man die Unterrichts- und Lernsituation gemeinsam zu meistern hat.

Der Dank dafür, dass wir die schwierigen Zeiten gemeinsam so gut gemeistert haben, gilt also auch unseren Schülerinnen und Schülern!
Und natürlich Ihnen, liebe Eltern, denn die Anforderungen an Sie waren gigantisch: Das Familienleben hat sich von einem auf den anderen Tag geändert, es ging nicht nur darum, neue organisatorische Routinen, sondern auch neue Formen des familiären Miteinanders zu finden, um das Fehlen der Schule aufzufangen. Hierfür haben Sie meinen tiefen Respekt!
Als Schule haben wir zunehmende Sicherheit im Umgang mit den neuen Formen des Lernens gefunden. Dennoch geht immer mal was schief, können Erwartungen nicht erfüllt werden. Es gab und gibt aber keine Beschwerden, ich empfinde das Miteinander von Schule und Elternhaus als von Vertrauen und Loyalität geprägt. Hierfür danke ich Ihnen sehr!
Auch an dieser Stelle gilt mein ganz besonderer Dank unseren Lehrkräften, die der schwierigen Aufgabe, Lernprozesse komplett neu zu organisieren, mit Mut, Kompetenz und Engagement begegnet sind – ich hoffe, Sie verstehen dies nicht als „Selbstlob“, sondern als Hervorheben wirklich bemerkenswerter Leistungen!
Was ich dabei als Hauptproblem empfunden habe, war der Bedarf an individueller Rückmeldung – natürlich kann man verstehen, dass eine Schülerin / ein Schüler, die/der sich im Home Office so richtig angestrengt hat, eine Rückmeldung haben möchte und auch verdient hat. Aber die Hochrechnung auf nur eine Klasse zeigt schon, wie hoch der entstehende Zeitbedarf ist! Auch wenn der Aufwand an Grenzen (und auch darüber hinaus) ging, glaube ich, es hat sich gelohnt, das zeigen die wirklich positiven Leistungsstände, die bei vielen Zeugniskonferenzen angesprochen wurden, aber auch der verbesserte persönliche Draht, von dem mir viele Lehrkräfte berichtet haben.

Im Präsenzunterricht der letzten Wochen wurde spürbar, dass Schule eben doch nicht durch individuelles Lernen am Computer ersetzt werden kann – für viele Lernprozesse benötigt man die Auseinandersetzung im Gespräch. Lernen braucht den sozialen Kontext, die Lerngruppe, aber auch die Lehrkraft als Gegenüber, die mal ermutigt, mal provoziert, an der man sich ein bisschen abarbeiten kann oder die ein Vorbild darstellt.
Daher sind wir alle froh, dass es nach den Sommerferien mit dem Lernen in der Schule weiter gehen soll!
Ich habe Ihnen die Vorgaben des Ministeriums auf die Homepage gestellt; auf diesem Wege werden Sie auch informiert, wenn sich bei der angekündigten Überprüfung des Planes durch das Kultusministerium 4 oder 2 Wochen vor Ende der Ferien etwas ändern sollte.
Gegenüber dem jetzigen Stand hat sich geändert, dass wir wieder mit ganzen Klassen arbeiten werden. Das bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler untereinander nicht mehr den Mindestabstand halten müssen. Dahinter steht natürlich der geringe Stand an Neuinfektionen, den wir uns durch unser vernünftiges Verhalten in den letzten Monaten „erarbeitet“ haben. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass man einer infizierten Person begegnet, relativ gering.
Wie es weiter geht, hängt aber auch davon ab, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt: Denn das Schöne an Sommerferien ist ja, dass man Urlaub machen kann, dass man in einer anderen Umgebung neuen Menschen begegnen kann! Aber leider ist das Virus ja nicht verschwunden, es wird weiterhin infizierte Personen geben, die andere anstecken, bevor sie eigene Symptome haben. Auch deshalb wird es wichtig sein, dass man in möglichst vielen Situationen den Abstand wahrt und da, wo dies nicht möglich ist, eine Mund-Nasenbedeckung trägt.
Ich persönlich setze auch auf die Corona-App: Auch wenn ich mich nach bestem Wissen und Gewissen an alle Corona-Regeln halte, kann ich nicht ausschließen, dass dieses fiese Virus mich doch erwischt – und dann möchte ich andere, die ich, ohne es zu merken (denn ich halte mich an die Abstandsregel), doch angesteckt haben könnte, informieren. Denn, auch wenn es jetzt sehr viele ermutigende Signale im Hinblick auf Medikamente gibt, so bleibt Covid 19 eine extrem unangenehme Krankheit, die man ernst nehmen muss.

Hoffen wir also, dass sich alle auch im Urlaub vernünftig verhalten und Ganderkesee weiterhin so glimpflich davon kommt wie bisher!
Zur neuen Normalität des Unterrichts nach den Ferien gehört auch, dass wir wieder klassenübergreifende Lerngruppen haben dürfen, sodass auch Fächer, die in Kursen angeboten werden, wieder uneingeschränkt stattfinden können. Dies gilt allerdings nicht für jahrgangsübergreifende Gruppen.

Da wir dennoch eine Ganztagsbetreuung anbieten möchten, wird der MiniClub im neuen Schuljahr zunächst ausschließlich für die Jahrgänge 5 und 6 angeboten.
Weitere Überlegungen zum Ganztagsangebot laufen, wir werden Sie zum Schuljahresbeginn informieren.
Dies gilt auch für die Berufspraktika und andere Aktivitäten, die mit einem Kontakt mit Schulfremden verbunden sind.
Auch für Elternabende wird eine Abwägung stattfinden müssen, wie sie organisiert werden können.
Es bleibt also – neben der normalen Vorbereitung auf das neue Schuljahr – viel zu tun!
Auch im Hinblick auf die Sanierung unseres Gebäudes, die seit 2007 zum Schulalltag gehört, gibt es Neues: In diesem Jahr ist der F- Trakt dran, der technisch und baulich auf einen moderneren Stand gebracht wird. Dazu gehört auch, dass das obere Stockwerk eine Art Belüftungsanlage bekommen soll, um die Hitzeentwicklung im Sommer zu reduzieren. Und für die Unterrichtsräume Richtung Parkplatz soll die Verschattung verbessert werden, sodass es auch hier zukünftig nicht mehr ganz so heiß werden wird. 

Zu den Neuerungen wird auch ein Fahrstuhl für Notfälle gehören.
Leider werden nicht alle Unterrichtsräume zum Schuljahresbeginn fertig gestellt sein, sodass wir hier mit Ersatzräumen werden planen müssen.
Auch deshalb haben wir die Buchrückgabe am Ende des Schuljahres in mehreren kleineren Räumen stattfinden lassen, die Buchausleihe zu Beginn des neuen Schuljahres geschieht dann ebenfalls von diesen Räumen aus. Die Umstellung auf die Paketausleihe im 5. und 6. Jahrgang in diesem Schuljahr ist auch dieser besonderen Situation geschuldet.

Zwei weitere Themen, die eigentlich „Dauerbrenner“ sind, haben durch die Corona-Krise einen neuen Schub bekommen: So ist die „Digitalisierung von Schule“ in aller Munde, zusätzliche Gelder wurden zur Verfügung gestellt. Das Gymnasium Ganderkesee ist eigentlich sehr gut ausgestattet, unser Repertoire an Methoden, die mithilfe digitaler Medien den Lernerfolg unterstützen, hat stetig und in den letzten Monaten ganz besonders zugenommen. Unabhängig von der Nutzung digitaler Methoden in einzelnen Unterrichtsphasen, für die die Schule die Geräte zur Verfügung stellt, geht es aber immer stärker darum, dass Schülerinnen und Schüler Tablets ständig zur Verfügung haben und diese auch für (digitale) Hausaufgaben nutzen können. Dann müssen allerdings die Eltern für eine entsprechende Ausstattung sorgen.

Besonders diskutiert wurde diese Frage im Zusammenhang mit der corona-bedingten Schulschließung. Daher wurden jetzt zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, damit die Schulen, sollte es wieder zum „Lockdown“ kommen, ggf. Tablets an Schülerinnen und Schüler ausgeben können. Auch, wenn wir bisher so gearbeitet haben, dass ein Smartphone und eine sichere WLAN-Verbindung ausreichend sind, um die Aufgaben zu bewältigen, werden wir die Chance nutzen, unsere Ausstattung zu verbessern. Wann dann allerdings Geräte zur Verfügung stehen uns zu welchen Bedingungen sie ausgegeben werden können, wissen wir noch nicht.

Unabhängig von dieser Diskussion haben wir uns schon vor einigen Monaten entschieden, im zukünftigen 11. Jahrgang eine Tabletklasse einzurichten, um damit dem Wunsch von Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften zu entsprechen, diese modernen Arbeitsmittel vermehrt einzusetzen. Bei dieser Tabletklasse haben die Eltern das Gerät angeschafft bzw. im Zusammenhang mit Stipendien hat unser Freundeskreis Tablets zur Verfügung gestellt.

Eine ganz neue Aktualität hat das Thema „Lernen in den Sommerferien“ erhalten: So wird empfohlen, in der schulfreien Zeit versäumten Schulstoff aus der Corona-Krise nachzuholen. In diesem Zusammenhang ist mir wichtig, dass natürlich nicht in allen Fächern alles geschafft wurde, dass aber der Unterricht im kommenden Schuljahr darauf Rücksicht nehmen muss, d.h. ein Teil des Stoffs wird schlicht gestrichen, unverzichtbare Basiskompetenzen, auf die weiter aufgebaut wird, werden natürlich im Unterricht nachgeholt. Und für die zukünftigen 9. Klassen, die aus den bisherigen 8. Klassen zusammengesetzt wurden, gibt es ein koordiniertes Verfahren, das dafür sorgt, dass die zukünftigen Fachlehrkräfte von den jetzigen Fachlehrkräfte erfahren, in welchen Bereichen mit Lücken zu rechnen ist. Es spricht also nichts gegen schulfreie Sommerferien, wobei es aber auch immer hilfreich ist, sich auf den kommenden Unterricht vorzubereiten!
Die regio VHS Ganderkesee-Hude bietet Ferienkurse für Schülerinnen und Schüler an, Näheres können Sie auf unserer Homepage nachlesen.

 

Nun wünsche ich Ihnen allen eine ganz schönes und entspannte Ferienzeit!

Und wie immer: Bleiben Sie achtsam und gesund!

 

Herzliche Grüße  

Dr. Renate Richter

Elternmitteilungen März 2020