300 SCHÜLER AN DER WAHLURNE

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Sie haben am Dienstag bei der Juniorwahl im Gymnasium Ganderkesee mitgemacht und die Bundestagswahl „geübt“: (von links) Nina, Mia und Katharina aus dem neunten Jahrgang. Foto: Thomas DeekenGanderkeseer Gymnasiasten wählen bei Juniorwahl den Bundestag

von Thomas Deeken

Ganderkesee. Rund 300 Schüler des Gymnasiums Ganderkesee beteiligen sich derzeit an der bundesweiten Juniorwahl. Bis Freitag wählen auch sie im Rahmen des Politikunterrichts Kandidaten und Parteien für den Deutschen Bundestag. In Wirklichkeit dürfen allerdings nur wenige von ihnen am Sonntag tatsächlich an die Wahlurne gehen.

Die Bedingungen sind wie bei einer richtigen Wahl: Es gibt den Wahlraum mit drei Helfern, die alles kontrollieren und abhaken. Und es gibt die interessierten Wähler, die mit ihren Wahlbenachrichtigungsscheinen kommen, um anschließend abgeschirmt ihr Kreuzchen bei einem der Kandidaten und einer Partei zu machen. Allerdings dürfen die meisten von ihnen noch nicht wirklich an der Bundestagswahl teilnehmen, sondern nur an der bundesweiten Juniorwahl, bei der das Gymnasium Ganderkesee derzeit mit 300 Schülern mitmacht und dadurch ein aktuelles Thema in den Mittelpunkt der politischen Bildung stellt.

Rund 300 Gymnasiasten an der Wahlurne

Die Schüler der neunten und zehnten Jahrgänge sowie der Oberstufe sind in dieser Woche aufgerufen, im Erweiterungsbau ihrer Schule an die Wahlurne zu gehen. Dabei dürfen alle mitmachen: die, die noch einige Zeit warten müssen, um wirklich wählen zu dürfen, die, die keine deutschen Staatsbürger sind, und auch die, die schon 18 Jahre alt sind und am kommenden Sonntag erstmals tatsächlich mit dabei sein können. „Bis Freitag, dritte Stunde, wird noch gewählt. Danach wird ausgezählt und das Ergebnis an Juniorwahl weitergegeben“, erläutert Christoph Bauer, Fachbereichsleiter Politik. Vor Sonntag, 18 Uhr, wenn für die volljährigen Wähler die Wahllokale geschlossen sind, dürfe das Resultat nicht bekannt gegeben werden.

Vorher viel Politik im Unterricht

Den Wahlen waren zahlreiche Politikstunden vorausgegangen, in denen die Lehrer unter anderem über das deutsche Wahlsystem, über Parteien und Inhalte ihrer Programme informierten. Ganz speziell wurden laut Bauer die großen Parteien CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke und die AfD unter die Lupe genommen.

Schüler gründen eigene Parteien

Außerdem gab es Gruppenarbeiten, bei denen die Schüler quasi selbst eine Partei mit eigenem Programm gegründet haben. „Bei uns gab es die Deutsche Sicherheitspartei. Da standen Themen wie Flüchtlinge und innere Sicherheit im Vordergrund“, sagt die 14-jährige Johanna, die gemeinsam mit ihren Klassenkameraden Till (16) und Pia (15) aus der 9b zunächst als Wahlhelferin im Einsatz war und dann selbst gewählt hat. „Bei uns war es die Gesundheitspartei“, erklärt Pia, in deren Gruppe beispielsweise darüber diskutiert wurde, wie man das Kassensystem verändern und Krankenhäuser besser ausstatten könnte. Und bei Till ging es im weiten Bogen vom Schulsystem über Arbeitslosigkeit bis hin zur Umwelt. „Deshalb heißt unsere Partei auch Die Bunte“, so der 16-Jährige. Die drei haben sich zusätzlich ein bisschen durch Fernsehsendungen informiert, sodass es ihnen am Ende nicht schwerfiel, ein Kreuz bei der „richtigen“ Partei zu machen. Nicht ganz so einfach war es dagegen bei den Kandidaten. „Die kenne ich nicht so gut – eher vom Plakat her“, sagt Pia.

Hohe Wahlbeteiligung

„Ich gehe davon aus, dass alle relativ ernsthaft gewählt haben“, so Politiklehrer Bauer, der genauso wie die drei Schüler bei Gesprächen keinen politischen Trend bei den Jugendlichen heraushören konnte. „Ich glaube, wir haben komplett unterschiedlich gewählt“, meint Pia. Fest stehen dürfte dagegen, dass die Wahlbeteiligung höher als bei der Bundestagswahl liegen wird – auch wenn es am Gymnasium einige Nichtwähler gibt.

Quelle: Delmenhorster Kreisblatt (20.09.2017)